Timo Achenbach trifft… Rolf Schwarzer und Ferdi Hilgers

Timo Achenbach: Einer der Hauptgründe für einen Unternehmenskauf oder -verkauf ist letztlich ja die Erzielung von Synergien. Daher die Frage an Sie beide: Ging es Ihnen bei der Einbindung von Hilgers Transport in die Schwarzer Gruppe im Großen und Ganzen darum? Oder, falls nein, welches war Ihre größte Motivation bzw. Vorüberlegung für das Vorhaben?

 

Rolf Schwarzer: Uns geht es darum, dass sich unser Unternehmen weiterentwickeln soll. Das gelingt aber oft nur, wenn wir auch neue Ideen bekommen, die wir vielleicht im eigenen Dunstkreis gar nicht entwickeln können. Uns geht es nicht nur um Synergien, sondern eher darum, dass sich unser Unternehmen geografisch – aber auch hinsichtlich der Produkte, die wir anbieten – entwickelt. Wir schauen, ob das Produkt eine Ergänzung zu unserem Portfolio ist beziehungsweise, ob das eine Dienstleistung ist, die nachgefragt wird und wo wir vielleicht selbst wenig Knowhow haben. Grundsätzlich möchten wir unser Unternehmen breiter aufstellen und somit für die Zukunft wappnen.

 

Ferdi Hilgers: Für mich spielt es eine wichtige Rolle, dass wir als eher kleinerer Mittelständler hier bei uns eine sehr starke Abhängigkeit von einem großen Kunden haben. Und da muss man immer überlegen, welche Möglichkeiten wir perspektivisch gesehen – also in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren – haben, uns im Markt zu behaupten. Die hat man entweder, indem man sich selbst neue Märkte erschließen kann, was ja gerade jetzt insbesondere auch in diesem Jahr wieder eher schwierig ist, oder über Zukäufe. Und da taten wir uns als Gesellschafter eher schwer, da nochmal diesen großen Schritt zu gehen. Zweitens hatte ich für mich als Gesellschafter und Geschäftsführer immer die Idee, so um die fünfzig herum – ich werde dieses Jahr fünfzig – mit dem ganzen Speditionsgeschäft aufzuhören und etwas anderes zu machen. Die Intention war also, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, und mit einem größeren Unternehmen zusammen die Existenz sowohl für das Unternehmen als auch für die Mitarbeiter zu sichern.

 

Timo Achenbach: Wenn ich da nachhaken darf, Herr Hilgers: Sie waren Gesellschafter und haben diese Rolle viele Jahre wahrgenommen. Jetzt nach dem Verkauf sind Sie im Unternehmen leitender Angestellter. Inwiefern ist Ihnen das auch in Hinblick darauf persönlich schwergefallen, Ihre eigene Spedition zu verkaufen? Welche Ängste oder Befürchtungen hatten Sie?

 

Ferdi Hilgers: Ich habe mich schon immer bemüht, mich als normalen Angestellten zu sehen. Und von daher muss ich ehrlich sagen, war das für mich gar nicht so eine emotionale Sache. Eher für meinen Vater, der eine ganz andere Beziehung dazu hatte, weil er ja den Laden im Grunde genommen groß gemacht und aufgebaut hat. Von Anfang an ist es für mich wichtig gewesen, dass man einen Partner findet, der gut zu einem passt und wo auch die Idee, die das kaufende Unternehmen hat, passt. Und da hatte ich bei Rolf und Klaus Schwarzer ein gutes Gefühl und kann auch sagen, dass ich das Ganze bis jetzt überhaupt nicht bereue. Ich bin überzeugt, dass das für das Unternehmen wirklich die beste Lösung gewesen ist.

 

Foto: Ferdi Hilgers

 

Timo Achenbach: Der Unternehmenskauf fand vor rund zwölf Monaten statt. Haben Sie die gesetzten Ziele, d.h. insbesondere die Erweiterung des Produktportfolios, erreicht?

 

Rolf Schwarzer: Ich denke, dass so ein Prozess nie wirklich abgeschlossen ist. Also das Unternehmen Hilgers lebt ja. Da verändert sich jeden Tag etwas. Das Jahr 2020 war natürlich nicht das einfachste. Allein aus Vertriebssicht war es sehr schwierig, neue Kunden zu generieren und Akquise zu betreiben. Wir konnten einige Schwarzer-Kunden für das Haus Hilgers gewinnen, haben dort mit Silotransporten angefangen und uns im Bereich Lagerung entwickeln können. Aber so etwas ist nicht nach einem Jahr abgeschlossen. Als Familienunternehmen denken wir immer langfristig und sehen auch den Standort langfristig. Die Einbindung von Hilgers Transport in die Schwarzer Gruppe soll eine Bereicherung für beide Seiten sein und da kann man nicht nach zwölf Monaten sagen, jetzt ist das integriert oder abgeschlossen. Es ist ein dynamischer Prozess.


Timo Achenbach

Roland Stelz


 

Timo Achenbach: Hilgers hat von Schwarzer einen Vertriebsmitarbeiter zur Seite gestellt bekommen. Sicher war an den Schnittstellen Vertrieb/Verkauf und Disposition ein besonderer Grad an Abstimmung erforderlich und ist es immer noch. Welche Vorbereitungen oder Maßnahmen im Hinblick auf die Prozesse gab es Ihrerseits bezüglich der Zusammenführung der beiden Unternehmen?

 

Rolf Schwarzer: Das, was wir relativ frühzeitig und einfach umsetzen konnten, war die Umstellung der Buchhaltung auf die Buchhaltung von Schwarzer, auch die Umstellung der Personalabteilung auf das System von Schwarzer. Das sind so Dinge, die man vereinheitlichen kann. Die Vereinheitlichung der Speditionssoftware gestaltet sich dagegen etwas schwieriger, weil die Kunden von Hilgers an deren Speditionsprogramm eng angebunden sind.

 

Timo Achenbach: Herr Hilgers, wie fielen die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter aus, als sie von dem Verkauf erfahren haben? Inwiefern gab es Befürchtungen, den Arbeitsplatz zu verlieren oder den Anforderungen veränderter Prozesse und Aufgaben nicht gerecht werden zu können? Und wie sind Sie diesen Ängsten begegnet?

 

Ferdi Hilgers: Beide, also die Familie Schwarzer und wir, sind ganz offen damit umgegangen. Wir haben den Mitarbeitern offen kommuniziert, dass wir als eigenständiges Mitglied der Unternehmensgruppe hier weiter so arbeiten wollen wie vorher auch. Wir haben gesagt, dass wir den Vertrieb und weitere Synergien nutzen wollen, um auch hier am Standort Monheim weiter zu wachsen und dass das für das Unternehmen und für die Mitarbeiter eine große Chance ist. In der Verwaltung und auch im Bereich Fuhrpark haben wir keine Mitarbeiter entlassen. Also von daher, nein, ich hatte von Anfang an nicht den Eindruck, dass die Kolleginnen und Kollegen da in irgendeiner Weise Angst um ihren Arbeitsplatz hatten.

 

Rolf Schwarzer: Uns war es auch wichtig, den Mitarbeitern und Kollegen zu kommunizieren, dass sich da jetzt nicht von heute auf morgen alles ändert und da plötzlich eine Schwarzer-Haube übergestülpt wird – sondern dass das Unternehmen den gleichen Namen behält, die Mitarbeiter und Ansprechpartner für die Kunden und auch intern die gleichen bleiben. Man kann sicherlich nochmal einen Feinschliff machen und sagen: Ja, vielleicht ist die Abhängigkeit von dem Kunden zu groß, da müssen wir vielleicht noch im Vertrieb mehr tun. Oder: Wir müssen vielleicht im Fuhrpark anders auf die Kosten schauen oder man muss eventuell ein paar neue Ideen ins Spiel bringen. Natürlich versucht man dahingehend Synergien zu heben. Warum soll ich aber ein bestehendes und funktionierendes System komplett ändern?

 

Timo Achenbach: Herr Hilgers, wie haben Sie die Übernahme gegenüber Ihren Kunden kommuniziert? Welche Reaktionen gab es seitens Ihrer Kundschaft?

 

Ferdi Hilgers: Wir sind geschlossen zu unseren Kunden gegangen, also direkt auch mit Rolf und Klaus Schwarzer, und haben ganz offen unsere Beweggründe geschildert und dann auch direkt die Potenziale aufgezeigt, die sich ergeben. Man greift dann beispielsweise nicht mehr auf einen Fuhrpark von ein paar Fahrzeugen zurück, sondern auf eine viel größere Flotte. Speziell für unseren Großkunden bedeutet das, dass wir eine ganz andere Sicherheit bieten können. Wir haben somit also keinen Kunden gehabt, der sich negativ geäußert oder Ängste gehabt hat. Die Reaktionen aus der Kundschaft waren durchweg positiv.

 

Timo Achenbach: Gab es etwas, wo Sie beide im Nachhinein jetzt sagen würdet: Oh, das hätte ich besser anders gemacht oder das würde ich heute anders handhaben?

 

Ferdi Hilgers: Von meiner Seite kann ich nicht sagen, dass ich irgendwie etwas anders machen würde, den Schritt im Nachhinein bereue oder dass irgendetwas nicht stimmt oder ich mit etwas unzufrieden wäre. Also ich kann nach wie vor sagen, dass für mich persönlich und für das Unternehmen die Entscheidung sicherlich die richtige war, weil ich weiß, dass die Chemie zwischen Hilgers und Schwarzer stimmt.

 

Timo Achenbach: Und bei Ihnen, Herr Schwarzer, gibt es irgendetwas, was Sie aus dem Übernahmeprozess für sich noch gelernt haben?

 

Rolf Schwarzer: Absolut wichtig ist, dass man sehr frühzeitig sowohl gegenüber den Kunden wie auch gegenüber den Mitarbeitern offen ist, so dass da nicht irgendwie der Gedanke aufkommt, dass der Arbeitsplatz gefährdet sein könnte. Ich denke, ich würde es wieder so machen. Ich bereue die Übernahme überhaupt nicht und sie war auch nur der erste Schritt. Jetzt geht es ja weiter und die Frage ist: Wie kann man das gemeinsame Unternehmen, also die Gruppe, nun weiterentwickeln und weiter nach vorne bringen? Die Übernahme ist da nur der erste Schritt eines langen, fortwährenden Prozesses.

 

Timo Achenbach: Vielen Dank für das Gespräch!


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